Elektromobilität kommt!
Geschäftsmodelle und neue Chancen in der Versorgungswirtschaft
Elektromobilität ist in den Medien, in der Industrie und auch in der Politik angekommen. Auf der IAA 2009 wurde auch „der Mann auf der Straße“ e-mobilisiert. Trotz vielfach noch unbekannter Entwicklungsfaktoren entsteht so ein Megamarkt, in dessen Entwicklung alle Beteiligten weltweit bereits Milliardenbeträge investieren (FAZ v. 2.11.2009).
Es darf also mit Recht vermutet werden, dass „Elektromobilität kommt“! Wie schnell sich diese gar nicht neue Form des automobilen Antriebs durchsetzt, wird der Markt entscheiden und will die Politik gestalten. So sind mit Veröffentlichung des „Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität (siehe http://www.bmvbs.de/Anlage/original_1091800/Nationaler-Entwicklungsplan-Elektromobilitaet.pdf) im August 2009 politisch schon wichtige Weichen gestellt worden. Und folgerichtig fördert die Bundesregierung von 2009 bis 2011 den Ausbau und die Marktvorbereitung der Elektromobilität mit insgesamt 500 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Ganz unbescheiden lässt dazu beispielsweise das BMVS verlauten, dass diese Maßnahmen für Forschung und Entwicklung „in Anspruch und Inhalt derzeit einmalig in Europa“ sind. Auch auf der Projektplattform E-Energy des BMU sind bundesweit Modellregionen organisiert, in denen unter anderem verschiedene Aspekte der Elektromobilität erprobt werden. Beispielsweise verbindet das Projekt Harz.EE-mobility „die regionale Erzeugung regenerativer Energien mit den Bedürfnissen der Benutzer elektrisch angetriebener Fahrzeuge nach Mobilität und Umweltfreundlichkeit.(siehe http://www.uni-magdeburg.de/home/rpoe/presse_medien/pressemitteilungen/pmi_2009/pressemitteilungen_august_2009/harz_ee_mobility.html)
Elektromobilität hat zugleich das Potenzial für disruptive Veränderungen (siehe u.a. http://www.inkoop.iao.fraunhofer.de/innovationsnetzwerke/innovationsnetzwerk-fucar/Projektbeschreibung_Innovationsnetzwerk_FuCar.pdf) ganzer Industrien! Fahrzeughersteller entwickeln ganz neue Kompetenzen, wobei sich der Wert vorhandener konventioneller Entwicklungs- und Produktionsinfrastrukturen reziprok zum Markt der Elektromobilität entwickeln kann. Und die Wertschöpfungspotenziale der Mineralölindustrie verlagern sich zugunsten der Stromversorgungs- und -speicherindustrien.
Berechtigt ist also auch die These, dass Elektromobilität speziell der Versorgungswirtschaft wesentliche Chancen bietet! Zentrale Energie- und Umweltprobleme können durch den Einsatz stromgetriebener Fahrzeuge langfristig gelöst werden. Dabei kann Elektromobilität jedoch schon jetzt mit vorhandener (Stromversorgungs-) Infrastruktur genutzt werden. Die notwendige Entwicklung smarter Netze sowie der weitere Ausbau von Stromerzeugung aus erneubaren Quellen verlaufen dann zeitlich parallel zur weiteren Marktentwicklung der Elektromobilität - und bedingen sich gar gegenseitig.
Doch stellen sich zu Anfang dieses Marktes viele Fragen. Worauf basieren Unternehmensstrategien und Geschäftspläne, wenn die Versorgungswirtschaft heute in Elektromobilität investiert? Wer sind die Kunden? Wo liegen die Wertschöpfungspotenztiale? Welcher Nutzen entsteht?
Aktuelle Beispiele von Versorgungsunternehmen und deren Eintritt in der Markt der Elektromobilität lassen vermuten, dass Imagebildung und Diversifikation wesentliche Treiber sind und ein Teil der Investitionen durchaus noch aus den Marketingbudgets finanziert werden. Dass aber auch diese Ansätze Teil einer Strategie sind, sollte deswegen nicht in Abrede gestellt werden. Pioniere erzielen Wettbewerbsvorteile durch frühzeitige Markteinführungen.
„Stromtankstellen“ in der Öffentlichkeit dienen also nicht nur dazu, leere Batterien von mehr oder minder schicken Elektroflitzern wieder aufzuladen, sondern sollen vor allem ein „grünes“, innovatives Bild vermitteln und Akzeptanz für neue Technologien signalisieren. Dabei können insbesondere kommunale Unternehmen mit lokaler Infrastruktur und engem Bezug zur lokalen Kundschaft erfolgreich werben. Denn in der Tat sind alleine die prognostizierten Stromverbräuche mit ca. 3000 kwh pro Fahrzeug und Jahr weder in einer frühen Phase des Marktes an sich attraktiv noch im Zieljahr des nationalen Entwicklungsplans 2020 kaum mehr als eine ganz kleine Prozentzahl vom bundesweiten Gesamtstromverbrauch.
Doch bietet besonders die aktive Teilnahme an der frühen Marktentwicklung interessante Chancen, Geschäftsmodelle sowie die damit verbundenen Strukturen, Prozesse und technologischen Entwicklungen zu erproben. Wenn Fachleute eine stufenweise Einführung von Elektrofahrzeugen über batteriegetriebene Zweiräder, Nutzfahrzeuge, Luxus- und Zweitwagen sowie schließlich auch Elektrofahrzeuge für den Massenmarkt prognostizieren, liegen die Chancen klar auf der Hand.
Versorgungsunternehmen übernehmen beispielsweise die Rolle des Mobilitätsdienstleisters und bauen diese schrittweise aus. Sie bieten Kombipakete für „Fahrstrom“ und batteriegetriebene Zweiräder oder subventionieren deren Erwerb (siehe beispielsweise http://www.tuebingen.de/pressemitteilungen/25_28193.html ) bei gleichzeitiger Bindung an einen Stromliefervertrag. Sie selber setzen elektrisch getriebene Nutzfahrzeuge ein und bieten solche auch anderen kommunalen Dienstleistern sowie ihren Gewerbekunden an. Entsprechende Produktpakete bestehen aus Fahrzeugen, Ladestationen sowie „Fahrstrom“ und können beispielsweise durch Finanzierungs- und Betriebsdienstleistungen ergänzt werden. Diese Angebote gehen übrigens einher mit dem zunehmenden Trend der kommunalen Versorgungswirtschaft nach Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen. Elektromobilität ist deshalb nicht nur potenziell wirtschaftlicher als vergleichbare konventionelle Antriebe, sondern kann zugleich auch umweltfreundlich sein.
Wenn nun, wie eingangs vermutet, der Markt über Erfolg und Akzeptanz von Elektromobilität entscheidet, können Versorgungsunternehmen einen wesentlichen Erfolgsbeitrag leisten. Die notwendigen Komponenten aus dem Bereich Elektromobilität sind vorhanden: Fahrzeuge, Ladestationen und auch Softwarelösungen, zum Beispiel für Auslesen und Abrechnen der Strommengen oder für die Verwaltung der Fahrzeugflotten, stehen für Erprobung und Betrieb schon kurzfristig zur Verfügung.
All das soll jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass bis zum Massenmarkt noch wichtige Aufgaben erledigt werden müssen. Technologische Rahmenbedingungen und Standards sind zu entwickeln und die Infrastruktur smarter Netze aufzubauen. Prozess- und Transaktionskosten müssen trotz heute schon nachweisbarer Wirtschaftlichkeit der Elektromobilität weiter reduziert werden. Fiskalische Regeln für den Unterhalt von Elektrofahrzeugen müssen ebenso zuverlässig ausgeprägt werden wie beispielsweise für die Erzeugung, Verbreitung und Nutzung von „Fahrstrom“. Und auch dabei kann die Versorgungswirtschaft gemeinsam mit ihren Verbänden auf politischer und fachlicher Ebene wertvolle Beiträge leisten.
Bernhard Mildebrath, Produktmarketing Schleupen AG
Veröffentlichungsdatum: 25.01.2010
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